
"Wir freuen uns, dass das Thema "E-Medien" auf so große Resonanz stößt und wir wegen Platzmangels sogar umziehen mussten.", begrüßte Melanie Erlewein vom Verband Druck und Medien die über 140 Teilnehmer des ersten Infotags E-Medien: "Apps, E-Books & Co" in der Filderhalle in Leinfelden.
Bernhard Niemela, Chefredakteur des Deutschen Drucker, moderierte den gelungenen Infotag. In seiner Keynote "Apps, E-Books & Co. –Die Zukunft des Publishing?" machte er deutlich: In unserer Multi-Channel-Gesellschaft ist die hybride Mediennutzung von Print und E-Medien längst selbstverständlich.
Am Vormittag präsentierten Softwarehersteller ihre jeweiligen Lösungen zur Erstellung von E-Books und Apps:
Ingo Eichel von Adobe erläuterte die Digital Publishing Suite. Diese Werkzeuge bieten die Möglichkeit, aus InDesign-Layoutdokumenten sogenannte Folio-Dateien zu erzeugen, die dann im Adobe-eigenen Viewer dargestellt werden können. Folio-Dateien in Kombination mit dem Viewer werden zu Apps fürs iPad oder Android-Geräten zusammengefügt.
Simone Schulze von Quark zeigte die Neuheiten von Quark 9: Automatisierungsfunktionen und den ePub-Export für EBooks. Mit dem ab August verfügbaren App Studio für QuarkXPress 9 können aus Quark-Dateien Apps fürs iPad generiert werden.
Henning Bartens stellte die Woodwing-Lösung zur Erzeugung von Apps aus InDesign vor.
Sein Kollege Stavros Papandreou, Systemintegrator von Woodwing in Stuttgart, zeigte in einer Live-Demo, wie sich multimediale Elemente in die App integrieren lassen. Passend zur nachfolgenden Pause wählte er als Beispiel u.a. die Integration von Bildern einer Webcam aus einer Metzgerei am Ort.
Besonders interessiert waren die Teilnehmer an den Preismodellen der Hersteller. Adobe und Quark nannten konkrete Zahlen, die in den jeweiligen Präsentationen im Detail nachgelesen werden können. Der Einsatz der Woodwing-Module im eigenen Workflow erfolgt über Systemintegratoren, die gern individuelle Angebote erstellen.
In einer Zusammenfassung vor der Mittagspause erläuterte Herr Niemela nochmals, wie wichtig die Kostenfrage bei der Erstellung von E-Books und Apps zu bewerten ist.
Am Nachmittag starteten die Fachvorträge mit einem Beitrag
von Dr. Victor Wang von der Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm: "E-Book-Konzepte für Verlage und Mediendienstleister" . Nach einer Einführung in Formate und Reader, sowie einer kurzen Marktanalyse, erläuterte er die konzeptionellen Unterschiede zwischen Printtiteln und E-Books.
Kolumnentitel, Seitennummerierung und detaillierte Grafiken - alles Elemente des gedruckten Buchs können im E-Book nicht wiedergegeben und müssen durch zusätzliche Navigationshilfen und separater Grafikanzeige ersetzt werden. Die nächste Generation der E-Book-Formate könnte Abhilfe schaffen. ePub 3.0 bietet viele Verbesserungen und neue Möglichkeiten, die die Attraktivität der E-Books deutlich erhöhen.
Ursula Welsch von Welsch-Medien präsentierte in ihrem "Projektbericht E-Book-Erstellung" einen XML-basierten Workflow. Aus Word-Dokumenten und RTF-Texten werden mit Hilfe einer XSL-Transformation XML-Basis-Dokumente. Aus ihnen kann dann mittels einer weiteren XSL-Transformation ein beliebiges Ausgabeformat erzeugt werden: PDF für den Druck, E-PDF oder ePub für die E-Book-Ausgabe. Wichtig beim XML-Workflow ist die strukturierte Erfassung, sowie eine Prüfung über entsprechende (öffentliche oder verlagseigene) Dokument-Typ-Definitionen.
Sicherlich ein Highlight war der Vortrag "Tabletpublishing: Markt und Strategie" von Häme Ulrich. Seine These: Beim Tabletpublishing stehen wir erst am Anfang. Beispiele von Technologien und Geräten der ersten Generation – ein Mobiltelefon von 1939 oder die Werkzeugpalette von Aldus Pagemaker 1.0 sorgten für Schmunzeln im Publikum. Sein Hype-Zyklus prognostiziert ausgehend vom technologischen Auslöser über den Gipfel der Erwartungen und das Tal der Enttäuschung schließlich das Plateau der Produktivität. Seine Aufforderung an die Teilnehmer: Nutzen Sie die Möglichkeiten und prägen Sie die neuen Medien mit!
Thomas Wegner Ney, Bildungsreferent des Verbands, berichtete über die Erstellung der verbandseigenen App Kompetenzzentrum Süd: "Von InDesign aufs iPad in 4 Schritten". Wie viel Zeit, Geld und Know-how wird bei der Umsetzung einer Printbroschüre als iPad-App benötigt? Sein Fazit: Die Technik lässt sich schnell lernen. Mehr Aufwand ist in zielgruppenorientierte Konzepte und die Content-Beschaffung zu investieren. Auch er schloss mit einem Apell an die Teilnehmer: "Nutzen Sie die Chancen der neuen Medien!"
Der Vortrag von Professor Okke Schlüter "Medienkonvergenz – wie sehen die Medienprodukte der Zukunft aus?" teilte sich in zwei Bereiche: Zuerst wurden die Ergebnisse der Delphi-Studie zur Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien vorgestellt. Kernaussagen sind: Qualitativ hochwertige Printprodukte werden "en vogue", Mobile Endgeräte werden das Integrationsmedium zwischen den Mediengattungen werden und Paid Content wird sich stärker etablieren. Gute Voraussetzungen für die Medienprodukte der Zukunft: In verschiedenen Szenarien stellte Prof. Schlüter angefangen vom Multi-Book über sozial vernetzte Services bis hin zu Augmented Reality-Produkten mögliche Anwendungen vor. Ein überaus spannender Ausblick in die nächste Zukunft.
Eine Management Summary von Moderator Bernhard Niemela über die Fachvorträge am Nachmittag rundete den Tag ab.
Mit vielen neuen und Anregungen und Ideen im Gepäck verließen die Teilnehmer schließlich den Infotag E-Medien. Das Feedback war durchweg positiv, so dass der Verband Druck und Medien diese Veranstaltung sicher weiterführen wird.